Bei unseren Kolleginnen und Kollegen von VIA‑eBay haben wir diesen Artikel zum Thema Handel auf Online‑Marktplätzen entdeckt – hier kommt das Update mit frischen Zahlen und echtem Praxisblick.
Spannungsfeld Online‑Marktplatz
Marktplätze tragen den Löwenanteil im deutschen E‑Commerce: 2024 liefen rund 57 Prozent der Online‑Umsätze über Plattformen wie Amazon, eBay, OTTO, Zalando und Kaufland. 2023 waren es noch 54 Prozent. Der Trend ist klar: Reichweite schlägt Einzellösung, selbst wenn Shops wieder anziehen. [1][2]
Auch das laufende Marktbild passt dazu: Der bevh sieht die Marktplätze 2025 weiter stabil über der 50‑Prozent‑Marke. [3]
Vorteile vom Handel auf Online‑Marktplätzen
Die kurzen Wege zu Millionen Käuferinnen und Käufern sind das stärkste Argument. Beispiel eBay: über 18 Millionen aktive Nutzer in Deutschland. [4]
Für Fashion‑Marken ist Zalando ein Reichweiten‑Booster. Der Partner‑Anteil am Fashion‑Store‑GMV lag im ersten Halbjahr 2025 bei rund 34 Prozent. [5]
OTTO meldet 12,2 Millionen aktive Kundinnen und Kunden und 6.200 aktive Partner auf dem Marktplatz – der Kanal ist also längst Mainstream. [6]
Nachteile vom Handel auf Online‑Marktplätzen
Die Kehrseite: Kosten, Regeln, Abhängigkeit.
- Gebühren: Amazon verlangt für den Profi‑Tarif 39 Euro pro Monat plus prozentuale Verkaufsgebühren. [7]
- eBay: Gebühren und Werbemodelle wurden 2025/26 mehrfach angepasst. Wer auf eBay plant, sollte die Seller‑News im Blick behalten. [8]
- OTTO Market: Seit August 2024 gilt eine Grundgebühr von 99,90 Euro pro Monat, dazu Provisionssätze je Kategorie. [9][10]
- Kaufland Global Marketplace: Monatliche Grundgebühr je nach Abo plus Provisionen. Wichtig: Das eigene Fulfillment‑Programm wurde Anfang 2025 eingestellt – Logistik liegt wieder bei den Händlern. [11][12]
- Etsy: 6,5 Prozent Transaktionsgebühr, in Deutschland 4 Prozent + 0,30 Euro Zahlungsabwicklung, ggf. 12 bis 15 Prozent Offsite‑Ads‑Gebühr. Rechne das sauber in deine Preise. [13][14][15]
Regeländerungen passieren laufend. Beispiel Kaufland: Fulfillment raus. Beispiel eBay/OTTO: Gebühren rauf bzw. neu strukturiert. Das ist nicht per se schlecht, aber du brauchst Puffer in deiner Kalkulation und einen klaren Plan B. [12][8][10]
Die Rolle der Marktplätze im Multi‑Channel‑Umfeld
Viele Händler fahren heute zweigleisig: Shop für Marge und Markenaufbau, Marktplätze für Reichweite und Neukunden. Die Daten stützen das: Marktplatz‑Anteil rauf, Gesamtmarkt wächst wieder moderat. Für 2025/26 rechnen HDE und Partner mit weiterem Plus – und die 57‑Prozent‑Marktplatzquote unterstreicht die strategische Bedeutung. [16][1]
Gebühren, Reichweite, Kontrolle: so findest du die Balance
- Kurzfristig: Produkte mit wettbewerbsfähigen Preisen und stabilen Margen auf 1–2 große Marktplätze bringen. Saubere Daten, schnelle Lieferung, niedrige Retourenquote. Ohne das verbrennst du Budget.
- Mittelfristig: Abhängigkeit reduzieren. CRM und Newsletter aus dem Shop pushen, damit du Marktplatz‑Kundschaft in wiederkehrende Shop‑Käufe überführst.
- Langfristig: Sortimente schärfen und Markenarbeit investieren. Standardware sorgt für Umsatz, Differenzierung für Gewinn.
Was also langfristig tun?
- Nische wirklich prüfen: Eine gute Nische nimmt Preisdruck raus. Aber nur, wenn Nachfrage und Deckungsbeitrag passen. Teste mit kleinen Stückzahlen auf 1–2 Marktplätzen, bevor du hochfährst.
- Shop als Marke aufbauen: Marktplätze liefern Erstkontakt, der Shop hält die Kunden. Biete dort Mehrwerte, die ein Marktplatz nicht bietet: Bundles, Services, Inhalte.
- Longtail dosiert nutzen: Zusätzliche Reichweite über vertikale Marktplätze ist fein. Erwarte aber keinen Wunder‑Umsatz. Pflegeaufwand vs. Ertrag ehrlich bewerten.
- Content und Media: Organisch und bezahlt. Auf Marktplätzen mit Retail‑Media und A+‑Inhalten arbeiten, im Shop SEO/CRM. Behalte die Werbekosten im Blick – ROAS entscheidet.
Tool‑Hinweis für Afterbuy‑User
Afterbuy bindet die großen Kanäle wie Amazon, eBay, Kaufland und OTTO an und zieht Bestellungen zentral zusammen. Prüfe vor dem Go‑Live immer die aktuell verfügbaren Schnittstellen und Konditionen in der Doku bzw. auf den Marktplatz‑Seiten. [17][18][19]
Wichtige Marktveränderungen im Blick behalten
- Zalando x ABOUT YOU: Der Zusammenschluss wurde Ende 2025 rechtlich finalisiert. Wirkung auf Partnerprogramme und Konditionen im Auge behalten. [20]
- Kaufland Fulfillment: eingestellt. Wer dort verkauft, braucht eine belastbare eigene Logistik oder 3PL. [12]
Fazit: An den großen Marktplätzen kommst du nicht vorbei. Sie bringen Reichweite und Tempo. Rechne deine Gebühren ehrlich, halte Daten und Prozesse sauber und bleib beweglich – dann lohnt sich der Mix aus Marktplatz und Shop.
Quellen
[1] HDE Online‑Monitor 2025 (PDF)
[2] HDE Online‑Monitor 2024: Marktplatz‑Anteil erstmals über 50 %
[3] bevh: Onlinehandel Q3/2025
[4] eBay Deutschland: Handelsupdate Q3/2025
[5] Zalando Halbjahresbericht 2025
[6] OTTO: Geschäftsjahr 2024/25, GMV, aktive Kundschaft, Partner
[7] Amazon: Preisgestaltung für Verkäufer in Deutschland
[8] Händlerbund: eBay erhöht Gebühren (Übersicht/Einordnung)
[9] OTTO Market: Händlerinformationen inkl. Grundgebühr
[10] OTTO Market Präsentation: Gebührenänderung ab 01.08.2024
[11] Kaufland Global Marketplace: Konditionen
[12] Ecommerce News Europe: Kaufland beendet Fulfillment
[13] Etsy: Grundlegendes zu Etsy‑Gebühren
[14] Etsy Payments: Gebühren (DE)
[15] Etsy: Offsite Ads
[16] Handelsverband Bayern: HDE Online‑Monitor 2025 zusammengefasst
[17] Afterbuy: Marktplätze anbinden
[18] Afterbuy: Auftragsabwicklung
[19] Afterbuy: Schnittstellenübersicht Marktplätze
[20] ABOUT YOU IR: Zusammenschluss mit Zalando final