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Der chinesische Onlinehandel 2026: Was Sie jetzt wissen sollten

Der asiatische E‑Commerce schiebt kräftig an und rückt Europa immer näher. In Zahlen: Shein kommt im EU‑Schnitt inzwischen auf rund 145,7 Millionen monatlich aktive Nutzer, gemeldet nach DSA‑Standard für Februar 2024 bis Juli 2025[1]. Temu lag im ersten Halbjahr 2025 bei rund 115 Millionen monatlich aktiven EU‑Nutzern[2]. AliExpress nennt für ...

Inhaltsverzeichnis

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Der asiatische E‑Commerce schiebt kräftig an und rückt Europa immer näher. In Zahlen: Shein kommt im EU‑Schnitt inzwischen auf rund 145,7 Millionen monatlich aktive Nutzer, gemeldet nach DSA‑Standard für Februar 2024 bis Juli 2025[1]. Temu lag im ersten Halbjahr 2025 bei rund 115 Millionen monatlich aktiven EU‑Nutzern[2]. AliExpress nennt für die EU rund 104 Millionen monatliche Nutzer[3]. Für deutsche Händler heißt das: mehr Konkurrenz, aber auch mehr Chancen. Wer Trends früh nutzt, nimmt Marge mit.

Chinesische Hersteller und Onlinehändler auf der Suche nach neuen Marktplätzen in Europa

Viele Anbieter aus China verkaufen längst nicht nur über AliExpress, Shein oder Temu, sondern direkt auf Amazon und eBay. Selbst Amazon schreibt inzwischen im 10‑K, dass China‑basierte Verkäufer einen „signifikanten“ Anteil an den Erlösen aus Third‑Party‑Services und Ads ausmachen[4]. Das ist relevant für alle, die dort gegen Direktanbieter aus der Fertigung antreten.

Plattformdynamik ändert sich: Wish wurde am 19. April 2024 an Qoo10 verkauft; die Transaktion ist in den SEC‑Unterlagen abgeschlossen dokumentiert[5]. Bei der Logistik baut Alibaba‑Tochter Cainiao ihr EU‑Netz mit eigenem eHub in Lüttich und Charterflügen (u. a. Xi’an–Lüttich) aus[6]. Geplante Erweiterungen am Standort Lüttich wurden 2025 allerdings gestoppt[7].

Regulatorisch ist Bewegung drin: Gegen AliExpress laufen seit 2025 bindende Zusagen unter der EU‑DSA, etwa zu illegalen Produkten, Werbetransparenz und Händler‑Nachverfolgbarkeit[8]. Merke: Das Spielfeld in Europa bleibt offen, aber die Regeln werden strenger.

Die Chinesen arbeiten kundenorientiert

Influencer‑Content, blitzschnelle Tests, Livestream‑Shopping: Das ist Alltag. Beim 11.11‑Festival 2024 meldeten die großen Plattformen in China wachsendes Käuferaufkommen; Alibaba nannte u. a. Dutzende Marken mit über 1 Mrd. RMB GMV[9][10]. Parallel wächst Social‑Commerce rasant: Douyin (TikTok China) lag 2024 beim E‑Commerce‑GMV laut Branchenberichten bei rund 3,5 Billionen RMB und mischt damit die Top‑3 auf[11]. Kurz: Wer Reichweite und Content verzahnt, gewinnt Checkout‑Rate.

Wichtig für Ihren Alltag

  • Nutzerzahlen lesen lernen: DSA‑Transparenzberichte sind Gold wert. Shein meldet 145,7 Mio. durchschnittlich aktive monatliche Nutzer in der EU (Februar 2024 bis Juli 2025)[1]. Temu lag im H1 2025 bei rund 115 Mio.[2]. AliExpress nennt 104 Mio.[3]
  • Regeln auf dem Schirm behalten: Temu ist als VLOP eingestuft und muss die härtesten DSA‑Pflichten erfüllen[12]. Gegen Shein laufen seit Februar 2026 formelle DSA‑Verfahren (u. a. zu recommender transparency und illegalen Inhalten)[13]. Bei AliExpress sind DSA‑Zusagen der Kommission bindend akzeptiert[8]. Das ist für Händler relevant, weil Listings und Prozesse strenger kuratiert werden.
  • Produktsicherheit und Marktplätze: Die neue EU‑Produktsicherheitsverordnung (GPSR) gilt seit 13. Dezember 2024 und verschärft Pflichten für Händler, Importeure und Marktplätze, inklusive Meldewegen, Rückrufen und „Point of Contact“[14].
  • Kosten kalkulieren: Ab 2026 fällt die Zollfreigrenze von 150 Euro für Kleinsendungen. Es kommt eine einheitliche Lösung mit Erhebung von Zöllen auch unter 150 Euro[15]. Der Rat hat im Februar 2026 final zugestimmt; als Übergangslösung ist u. a. ein pauschaler 3‑Euro‑Zoll pro Warenkategorie im Paket vorgesehen[16]. Die bereits seit 2021 abgeschaffte EU‑VAT‑Freigrenze macht zusätzlich jede Einfuhr mehrwertsteuerpflichtig[17]. Kurz: Landed‑Cost sauber durchrechnen.
  • Logistik verstehen: Viele China‑Listings laufen über Cainiao‑Netze mit EU‑Hubs, z. B. Lüttich. Das drückt die Laufzeiten und Transaktionskosten, auch ohne klassische Post‑Subventionen[6][7].
  • Content schlägt Katalog: 11.11 zeigt, wie stark Livestreams, Bundles und Mitgliederprogramme (z. B. 88VIP) die Conversion ziehen[9][10][11]. Testen Sie Live‑Formate auch in der EU, z. B. via Social oder Brand‑Events.
  • Tools nutzen: Multichannel sauber aufsetzen, Prozesse automatisieren, Buchhaltung andocken. Afterbuy unterstützt u. a. Amazon, eBay, Kaufland und OTTO und bündelt Auftragsabwicklung, Belege, Zahlungen und Schnittstellen[18][19].

Risiko‑Radar für Marktplätze

  • Shein: Formelle DSA‑Verfahren der EU laufen. Rechnen Sie mit strengeren Produkt‑, Alters‑ und Transparenzanforderungen, die Listings beeinflussen können[13]. In Frankreich gab es 2025 zusätzlich nationale Schritte gegen die Plattform. Operativer Betrieb in der EU ist nicht eingestellt, aber die Lage ist regulatorisch angespannt.
  • AliExpress: Bindende DSA‑Commitments akzeptiert. Bei Non‑Compliance drohen Verfahren und Bußgelder; Händler sollten Produktdaten, Sicherheit und Händlerangaben penibel pflegen[8].
  • Temu: Als VLOP unterliegt Temu den strengsten DSA‑Pflichten, z. B. zu Systemrisiken und Produkt‑Safety[12]. Konsequenz: mehr Dokumentations‑ und Prüfprozesse für Verkäufer.
  • Alibaba‑Logistik: Cainiao fokussiert bestehende EU‑Strukturen; ein geplanter IPO wurde 2024 verworfen, Priorität liegt wieder stärker auf Commerce‑Kerngeschäft und operativer Effizienz[20].
  • Wish: Seit April 2024 Teil von Qoo10. Für Händler heißt das: neue Prozesse und Ansprechpartner, operativ aber weiter aktiv[5].

So profitieren auch Sie vom China‑Boom

Zerlegen Sie den Trend in machbare Schritte: Listings lokalisieren, Lieferzeiten echt halten, Retouren sauber steuern, Content pushen, Social‑Proof aufbauen. Rechtlich die Basics sitzen lassen: DSA‑Pflichten für Händler auf Marktplätzen checken, GPSR‑Produktsicherheit sicherstellen und die ab 2026 greifenden Zollregeln in Ihre Preise einpreisen[15][16][17]. Nutzen Sie Multichannel‑Stack und Automatisierung, damit die Marge nicht in Admin versickert[18]. Und bleiben Sie agil: In China wird täglich getestet. Wer schneller lernt, wächst.

Quellen

[1] SHEIN Digital Services Act Seite (MAU‑Angaben EU)

[2] DW: Shein und Temu wachsen in Europa (EU‑Nutzerzahlen H1 2025)

[3] The Guardian: EU rügt AliExpress, Plattform nennt 104 Mio. EU‑Nutzer

[4] Amazon Form 10‑K 2023: Hinweis auf signifikanten Anteil China‑basierter Seller

[5] SEC 10‑Q ContextLogic: Abschluss Verkauf Wish an Qoo10 (19.04.2024)

[6] PR Newswire: Cainiao Charterflug Xi’an–Lüttich

[7] CEP‑Research: Cainiao stoppt Ausbaupläne in Lüttich (2025)

[8] EU‑Kommission: Bindende DSA‑Zusagen von AliExpress

[9] AP: Singles’ Day 2024 mit mehr Käufern und starken Marken

[10] Business Wire: Taobao/Tmall 11.11 melden robustes Wachstum

[11] 36Kr: Douyin E‑Commerce GMV 2024 ca. 3,5 Bio. RMB

[12] EU‑Kommission: Temu als VLOP nach DSA designiert

[13] EU‑Kommission: Formelle DSA‑Untersuchung gegen Shein (Feb 2026)

[14] EU Safety Gate Report 2025: GPSR seit 13.12.2024 anwendbar

[15] EU Taxation & Customs: Abschaffung 150‑Euro‑Zollfreigrenze ab 2026

[16] Rat der EU: Finale Zustimmung und Übergangszoll (3 Euro je Kategorie)

[17] EU Taxation & Customs: Wegfall der EU‑VAT‑Freigrenze und IOSS

[18] Afterbuy Produktseite: Funktionen und Anbindungen

[19] Afterbuy Landingpage: Multichannel mit Amazon, eBay, Kaufland, OTTO

[20] AP: Alibaba stoppt Cainiao‑IPO, Fokus auf Commerce